Unterschiede im Kontaktmanagement auf Facebook, Xing, Twitter und Co.

Wer sich viel in sozialen Netzwerken bewegt kennt die Situation: eine Kontaktanfrage von einer Person, die man nicht unbedingt zum engen Freundes- oder Bekanntenkreis zählt. Und weil wir Internetnutzer häufiger vor dieser Frage stehen hat sich Ute Klingelhöfer entschieden, eine Blogparade ins Leben zu rufen: “Facebook, XING, Twitter und Co. – Wen lassen wir wo rein?”. Spontan habe ich mich entschieden, mein Verhalten in Bezug auf diese Fragen zu reflektieren.

Von allen sozialen Netzwerken, die ich auch heute noch aktiv nutze, ist meine Mitgliedschaft bei Facebook die älteste. Zunächst als Alternative zum heute beinahe vergessenen studivz gedacht, hatte ich mich auf Facebook mit Freunden und Bekannten vernetzt. Mit allen diesen Menschen verband mich, dass ich sie im Laufe meines Lebens irgendwann und irgendwo schon mal getroffen hatte. Ich hatte dieses Vorgehen für mich nicht zum Prinzip erhoben. Es hatte sich einfach ergeben.

Kontakte kreuz und quer. Wie gehen wir mit unseren Kontakten und Kontaktanfragen in unterschiedlichen sozialen Netzwerken um? Public Domain Foto, veröffentlicht auf Wikimedia.

Kontakte kreuz und quer. Wie gehen wir mit unseren Kontakten und Kontaktanfragen in unterschiedlichen sozialen Netzwerken um? Public Domain Foto, veröffentlicht auf Wikimedia.

Im Laufe der Zeit kamen beruflich bedingt – vor allem meiner Mitarbeit im internationalen Bloggernetzwerk futurechallenges.org geschuldet – immer mehr Kontakte hinzu, die ich noch nie zuvor persönlich getroffen hatte. Ich teile mit Ihnen jedoch die Mitarbeit an einem Projekt in das viele Menschen großes Engagement stecken. Diese Schnittstelle ist für mich Grund genug, mich mit diesen Menschen zu verbinden. Ich teile mit Ihnen keine gemeinsame Vergangenheit wie beispielsweise die Schulzeit oder das Studium. Gemeinsame Interessen – in diesem Fall das Bloggen zu global relevanten Themen – sind für mich aber Grund genug, mich mit diesen Menschen zu vernetzen.

Folgen ist immer erlaubt!

Trotzdem bevorzuge ich nach wie vor einen anderen Kanal, um mich mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Interessen haben: Twitter. Der Nachrichtenstrom auf Twitter ist perfekt geeignet, um sich auf Inhalte zu konzentrieren und nicht auf private Bilder oder Ähnliches (die auch ihre Berechtigung haben). Ich stelle zwar fest, dass ich, wohl kaum überraschend, häufiger mit Twitternutzern interagiere, die ich auch persönlich kennne. Das entscheidende Kriterium, einem anderen Twitternutzer zu folgen, ist und bleibt für mich aber die Überschneidung von Interessen – und zwar unabhängig davon, ob ich mit dieser oder jener Person jemals in Kontakt stand. Insofern ist Twitter für mich das zwangloseste Medium. Folgen ist immer erlaubt! Die große Mehrzahl der Nutzer freut sich über jeden einzelnen Follower. Ich stelle die nicht allzu kühne Behauptung auf, dass man mit Freundschaftsanfragen auf Facebook nicht jede Person glücklich macht. Für Viele ist und bleibt Faceboook eben doch ein Medium für das private Umfeld. Man kann natürlich darüber streiten, ob ein öffentliches Medium wie Facebook dafür der richtige Ort ist. Darauf möchte ich an dieser Stelle aber nicht näher eingehen.

Google+ im Aufwind

Ähnlich wie Twitter eignet sich auch Google+ gut für die Vernetzung mit Menschen, die ähnliche Interessen teilen. Googles soziales Netzwerk hat einfach noch nicht die kritische Masse erreicht, die es benötigt, um ein ähnliches Netzwerk aus Freunden und Bekannten abzubilden wie Facebook. So tummeln sich auf Google+ viele “Early Adopter” mit ziemlich hoher Affinität zu allen Themen rund um moderne Technologien. Ich nutze Google+ im Vergleich zu Facebook noch in bescheidenem Ausmaß doch in den letzten Wochen ging bei mir persönlich der Trend hin zu einer verstärkten Nutzung. In meine Kreise nehme ich dabei genau wie bei Twitter auch Leute auf, die ich überhaupt nicht kenne. Einziges Kriterium für mich ist der Inhalt, den die entsprechende Person über Google+ teilt.

Im Unterschied zu Facebook, Google+ und Twitter nutze ich die als berufliche Netzwerke angelegten Linkedin und Xing tatsächlich rein zu beruflichen Zwecken. Um ehrlich zu sein, beschränkt sich meine Aktivität dort (vor allem auf Linkedin) aber vornehmlich auf das bloße Vernetzen mit Projektpartnern, Kollegen oder auch Freunden, die auf Xing oder Linkedin ein Profil haben. Inhalte teile ich dort nur sehr selten. Anfragen von Xing- oder Linkedin-Nutzern, zu denen ich noch nie in irgendeiner Form in Kontakt stand ignoriere ich in aller Regel. Und das sogar ohne schlechtes Gewissen – im Gegensatz zu Facebook, wo mich das Ignorieren einer Anfrage schon mal stärker ins Grübeln bringen kann.

Meine persönliche Einstellung zu der Frage, wen ich in meine sozialen Netzwerke mit aufnehme, ist alles andere als eine Empfehlung an andere Personen. Das muss jeder für sich selbst herausfinden und außerdem können die Rahmenbedingungen auch völlig unterschiedlich sein. Ich bin sehr zufrieden mit meiner selbstständigen Tätigkeit als Social Media Manger. Für viele Arbeitnehmer jedoch mag es den berechtigten Wunsch geben Privates und Berufliches stärker zu trennen. Ich benötige eine solche Trennung (noch?) nicht. Sie wäre aber auch ziemlich schwer zu realisieren.

Nutzt Soziale Medien, Denn Grau Ist Alle Theorie

This is a guest post that I originally published on the Bretterblog. Actually I wanted to translate the post into English. Now one week has passed and I don’t think that I will ever translate it…That’s why I republish this German version on my blog as well. So for those of you who want to start learning German: just go ahead! 

Idealismus. Realismus. Konstruktivismus. Und so weiter. Die Lehre der internationalen Beziehungen speist sich aus vielen Theorien, durch die junge Studenten lernen zwischenstaatliche Beziehungen zu analysieren. Dieses Spektrum muss natürlich noch um das Verhältnis zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren erweitert werden. Aus meiner eigenen Erfahrung zeigt sich, dass das Studium der IB zu einem großen Teil auf die Kenntnis dieser Theorien abzielt.

Dies soll keine a priori Kritik an Theorien (der IB) sein. Ich habe Texte der Vordenker all dieser Richtungen sehr gerne gelesen. Diese Theorien erleichtern das Verständnis für die vielfältigen Beziehungen unter staatlichen Akteuren und auf Basis der IB-Theorien lassen sich beispielsweise auch verschiedene Handlungsszenarien von staatlichen Akteuren herausarbeiten.

Trotz dieser Vorzüge  hat es mich aber immer irritiert mit welcher Selbstverständlichkeit junge Studenten (Anmerkung: ich habe an der Universität Bonn studiert) Außenpolitik durch eine IB-Theorie-Brille betrachtet haben oder außenpolitische Vorgänge zumindest derart abstrahiert haben, dass mir nicht mehr ganz klar war, ob sie auch zu einem einfachen Pro und Contra fähig sind. Ein Beispiel ist der Angriff der USA und der „Koalition der Willigen“ auf den Irak im Jahr 2003. Zur Verteidigung dieses Schrittes wurde in einem Seminar vor allem das Argument „Bündnissolidarität“ aufgeführt. Randaspekte wie der mögliche Tod Tausender Zivilisten oder die fadenscheinigen Beweise der US-amerikanischen Regierung für die Existenz von Massenvernichtungswaffen wurden teilweise ignoriert. Steht es einer sozialwissenschaftlichen Disziplin gut an, derart zu abstrahieren und nicht auf unmittelbare Folgen einer schwerwiegenden Entscheidung einzugehen?

Das globale Dorf

Das globale Dorf. Foto: Gerd Altmann, veröffentlicht unter einer CC0 1.0 Lizenz auf pixabay.

Wenn man beispielsweise über Antiterrorismus-Maßnahmen diskutiert oder schreibt kann es doch nicht ausreichen, sich mit der teilweise abstrakten Gefahr terroristischer Anschläge zu beschäftigen und diese als Ausgangspunkt zu nehmen für Maßnahmen wie etwa den Drohnenkrieg der US-Regierung. Es sollte schon dazu gehören sich Geschichten wie Yemen: Anger at Expansion of US Drone War , Obama’s Lawless, Secretive Drone War Continues Over Pakistan oder List of children killed by drone strikes in Pakistan and Yemen durchzulesen. Was sind die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung? Was sind die Erfahrungen der Menschen die sich hinter den Opferzahlen verbergen? In welchem Ausmaße treiben diese Anti-Terror-Maßnahmen junge Menschen eventuell in die Arme terroristischer Gruppierungen? Ich möchte an dieser Stelle nicht auf das Für und Wider des Drohnenkrieges eingehen. Aus meiner Sicht jedoch kann sich Jeder erst ein Urteil über solche Maßnahmen bilden wenn man sich über politikwissenschaftliche Theorien hinaus ein ganzheitliches Bild gemacht hat. In Zeiten des Internet gibt es – trotz des  digital divide – genug Stimmen online anhand derer man sich eine Meinung bilden kann. Eine Meinung, die nicht nur auf Theorien und möglichen Konsequenzen fußt, die sich aus eben diesen Theorien ergeben.

Studenten und Wissenschaftler der Internationalen Beziehungen – aber natürlich auch anderer sozialwissenschaftlicher Disziplinen – sollten sich aus meiner Sicht auch mit nicht-wissenschaftlichen Texten und Meinungen auseinandersetzen. Für mich persönlich stellt beispielsweise die Mitarbeit an den Projekten Future Challenges und Global Voices in dieser Hinsicht eine enorme Erweiterung meiner eigenen Perspektive dar. Die Berichte von Bloggern aus aller Welt zu Globalisierung, Menschenrechten, interkulturellen Themen und vielem mehr lassen das Verständnis für andere Kulturen und Staaten wachsen.  Sie durchbrechen den Tunnelblick der einem durch unsere traditionellen Medien allzu häufig vermittelt wird. Doch nicht nur solch große Multi-Autoren-Blogs vermitteln ein Gefühl dafür, dass es den global citizen nicht nur als Ideal gibt. Sie oder Er begegnet jedem, der sich in sozialen Netzwerken auch in internationalen Kreisen bewegt. Ich bin immer noch oft überrascht welche Überschneidungen sich mit Personen aus anderen Kulturen auf anderen Kontinenten ergeben. So kann es schnell geschehen, dass man sich seinen internationalen Kontakten aus anderen Kulturen in sozialen Netzwerken näher fühlt als seinem Nachbar ein Haus weiter.

Natürlich lässt sich solch interkulturelles Verständnis noch besser durch längere Aufenthalte in fremden Ländern fördern, doch nicht Jeder hat dazu die Gelegenheit. Insofern möchte ich dazu ermuntern das eigene (politik-) wissenschaftliche Studium auch dazu zu nutzen sich, über die Aneignung von Theorien hinaus, mit den Geschichten von den Menschen vor Ort auseinanderzusetzen. Das Internet bietet dazu die Gelegenheit!

Wissenschaftliche Theorien sind wichtig und bilden Grundlagen. Sie bieten ein Gerüst. Sie sind jedoch nicht ausreichend, um die Welt in all seinen Schattierungen nachzeichnen zu können.